Blue Monday Downer? Ein Mythos, den du besser sofort durchschaust.
- Linda Dorfeld
- 26. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Stunden
Warum der traurigste Tag des Jahres eigentlich ein ziemlich guter Tag sein könnte.
Jedes Jahr im Januar taucht er wieder auf, wie ein altes Bekanntes, das man eigentlich nicht mehr einladen wollte: der Blue Monday. Angeblich der „traurigste Tag des Jahres“, immer am dritten Montag im Januar, immer mit der gleichen Botschaft: „Jetzt ist alles grau, die Motivation weg, die Rechnungen da und die guten Vorsätze schon wieder im Papierkorb.“ Klingt erstmal wie ein perfekter Grund, sich unter der Decke zu verkriechen. Aber Achtung: Das ist kein Naturgesetz, sondern ein Marketing-Mythos.

Wo kommt der Blue Monday überhaupt her?
Der Blue Monday ist kein Naturgesetz, kein astronomisches Phänomen und auch kein Feiertag im offiziellen Kalender. Er ist vielmehr ein Marketing‑Baby aus England, das vor einigen Jahren von einem Psychologen erfunden und einem Reiseunternehmen aufgegriffen wurde. Genau richtig in der Zeit, in der viele Menschen nach dem Weihnachtsstress wieder in den Alltag zurückfallen und sich fragen: „Was war nochmal mein Neujahrsvorsatz?“
Der Begriff geht auf den britischen Psychologen Cliff Arnall zurück, der 2005 eine Formel präsentierte, mit der er diesen Tag berechnet haben will.
Der Clou: Man hat eine Formel erfunden, die aus Wetter, Geld, Motivation und persönlichen Faktoren „errechnet“, wann der traurigste Tag des Jahres ist. Klingt wissenschaftlich? Klar. Ist es aber nicht. Es ist eher wie ein mathematischer Witz, bei dem man Äpfel, Bananen und Gefühle in eine Gleichung wirft und am Ende den dritten Montag im Januar als Ergebnis bekommt.
Arnalls „Formel“ wurde im Rahmen einer PR‑Kampagne eines Reiseunternehmens erstmals veröffentlicht; sie sollte Menschen eher zu Winterreisen motivieren als wissenschaftliche Erkenntnisse liefern.
Trotzdem hat sich der Begriff hartnäckig gehalten. Weil er sich gut verkauft, weil er sich gut anfühlt („Ah, deshalb ist mir heute so mies!“) und weil er uns eine Ausrede liefert, einfach mal „blau“ zu machen.
Warum fühlen wir uns im Januar wirklich so?
Auch wenn der Blue Monday selbst ein Mythos ist, fühlt sich der Januar für viele Menschen tatsächlich an wie der Stimmungs‑Low‑Season.

Und dafür gibt es ganz reale Gründe – keine Formel, aber Biologie und Alltag:
Lichtmangel: Im Winter wird es früher dunkel, die Tage sind kürzer, und unser Körper reagiert darauf mit mehr Melatonin (das müde macht) und weniger Serotonin (das gute Laune macht). Das führt zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und einem leichten „Winterblues“.
Post‑Weihnachts‑Kater: Die Feiertage sind vorbei, die Geschenke ausgepackt, der Glühwein leer und zurück bleibt ein leichtes Gefühl von „Was jetzt?“.
Finanzielle Realität: Die Kreditkartenabrechnungen kommen, der Jahresstart im Job ist stressig, und viele Neujahrsvorsätze sind schon wieder gescheitert.
Montag‑Effekt: Der Montag ist für viele ohnehin der unbeliebteste Wochentag. Kombiniert mit Winter, Lichtmangel und Stress entsteht schnell ein „Blue Monday“-Gefühl.
Kurz gesagt: Der Tag ist vielleicht nicht „der traurigste des Jahres“, aber er trifft auf einen Nerv, den viele von uns kennen.
Warum der Blue Monday gar nicht so schlecht ist
Hier kommt der positive Twist: Der Blue Monday kann auch eine Chance sein. Nämlich die, sich bewusst mit Stimmung, Energie und Selbstfürsorge auseinanderzusetzen. Wenn du weißt, dass du in dieser Zeit eher müde, nachdenklich oder leicht niedergeschlagen bist, kannst du gezielt dagegen steuern.
Die Positive Psychologie zeigt: Wir haben mehr Einfluss auf unsere Stimmung, als wir denken. Und das Beste daran: Es geht nicht darum, den ganzen Winter in Dauer‑High‑Mode zu verbringen, sondern darum, kleine, realistische Schritte zu machen, die dein Wohlbefinden stabilisieren.
Konkrete Mikro-Interventionen gegen den „Blues“
Hier ein paar Ideen, wie du den Blue Monday zum Happy Monday machst.
☀️Licht in dein Leben bringen
Wenn es draußen grau ist, bring Licht nach innen. Ein kurzer Spaziergang am Tag, auch wenn es kalt ist, hilft dem Körper, den Rhythmus zu stabilisieren. Wer mag, nutzt zusätzlich eine Tageslichtlampe. Viele Menschen berichten von mehr Energie und besserer Stimmung, wenn sie morgens 20–30 Minuten damit verbringen.
🏃➡️ Bewegung als Stimmungsturbo
Sport muss nicht bedeutend sein. Ein kurzer Spaziergang, ein paar Dehnübungen, Tanzen in der Küche, oder wie ich heute Schnee schieben - da freuen sich auch die Nachbarn :). Alles, was den Körper in Bewegung bringt, aktiviert körpereigene „Glückshormone“ und hilft, sich weniger schwer zu fühlen. Also 3 Minuten Lieblingslied an und "Tanz Baby ;-)."
🧘♀️ Achtsamkeit statt Selbstkritik
Wenn du dich träge, unmotiviert oder „nicht gut genug“ fühlst, ist der erste Impuls oft: „Jetzt erst recht!“ und dann noch mehr Druck. Die Positive Psychologie rät eher: Achtsamkeit statt Druck.
Nimm wahr, ohne dich zu verurteilen. Ein kurzer Moment, in dem du dir sagst: „Ja, heute ist es schwer. Das ist okay.“, kann mehr bewirken als zehn Minuten Selbstmotivation, die sich anfühlt wie ein innerer Drill. Übrigens Leistungstiefs sind normal.
🎈 Kleine Freuden bewusst genießen
Positive Psychologie liebt kleine, bewusst wahrgenommene Freuden: ein gutes Buch, eine Tasse Tee, ein Anruf bei einer Freundin, ein paar Minuten Musik, die du wirklich magst. Lege dir „positive Anker“ in deinen Kalender. Plan sie nicht nur ein, sondern benenne sie auch: „Heute mache ich mir bewusst Zeit für…“ Das macht sie zu einem Ritual statt zu einem Nebeneffekt.
🗂️ Struktur statt Chaos
Wenn Motivation fehlt, hilft Struktur. Feste Zeiten zum Aufstehen, Essen, Arbeiten und Schlafen geben dem Körper Sicherheit und dem Geist weniger Raum für Grübeleien.
Blue Monday neu gedacht: Ein Tag der Selbstfürsorge
„Was brauche ich heute, um mich ein bisschen besser zu fühlen?“ Vielleicht ist die Antwort:
„Ich brauche Licht.“
„Ich brauche Bewegung.“
„Ich brauche jemanden zum Reden.“
„Ich brauche Ruhe.“
„Hey, ich merke gerade, dass mir etwas fehlt.“
Sehr gut, dann hol`s dir :) und mache heute dein ganz persönliches Anti-Blue-Monday-Ritual!
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